VALENCIA
Was passiert, wenn der Körper plötzlich in ein System kommt,
in dem es weder etwas leisten, noch einfach funktionieren muss?
Er bekommt Panik.
Eine Panikattacke nach der anderen.
Er schläft zu Uhrzeiten ein, zu denen er normalerweise nicht einschlafen würde.
Im Sitzen.
“Egal welche Regeln bei dir Zuhause gelten,
lass sie los. Hier existieren keine.”
Mein Kopf kann das nicht filtern.
Ich weiß, wo mein Zuhause ist, doch mein Inneres will für immer hier bleiben.
Mein.
System
Dreht.
Völlig.
Durch.
Mir wurde angesehen, dass ich etwas zu sagen habe.
Obwohl ich mich nicht traute, es laut auszusprechen.
“Sag, was du sagen willst.”
Also sprach ich.
Stotternd, aber ich sprach meine Wahrheit, zum ersten Mal in meinem Leben.
Voller Adrenalin in meinem Körper.
Voller Anspannung und Nervösität.
Mein System maßlos überfordert mit diesem Raum, konnte mein Körper das nicht halten.
Ich spürte, wie mir immer wärmer wurde.
Ich spürte, dass mein Gesicht rot anlief.
Angelehnt im Türrahmen, fing ich an die Wörter auszusprechen, die endlich ihren Weg nach draußen finden wollten.
“Ich glaube.. Ich glaube..
Ich glaube, ich kann das nicht tragen”
Und alles, was ich zurückbekam war:
Liebe.
Statt Wut traf ich auf Zuwendung.
Auf Blicke, die mir zulächelten und mir signalisierten, dass sie stolz auf mich sind.
Und sie meinten es mehr als wahrhaftig und ehrlich.
Kein Mitleid.
Keine Masken.
Keine Fassaden.
Ich kannte diese Reaktion nicht.
Ich weiß nicht, wie es ist, im Mittelpunkt zu bleiben.
Im Fokus.
“Was ist das für ein Gesichtsausdruck?”
Ich fühlte mich zum ersten Mal sicher -und dann plötzlich gar nicht mehr.
Als würde der Boden unter meinen Füßen weggezogen werden.
Panik
“Ich glaube.. Ich glaube.. Ich glaube, ich bekomme Panik.
Ich habe Angst davor, jetzt eine Panikattacke zu bekommen.”
Stille.
Wenige Sekunden lang.
Es geschah alles so schnell..
“Dann lass sie kommen.”
Also wäre das der Schlüssel gewesen, als hätte mein Nervensystem auf genau diese vier kleinen Worte gewartet,
kam sie.
Die Panik.
Selber Ablauf wie immer, ich kannte das schon:
Herzrasen.
Nach Luft schnappen.
Mir wird Übel.
Doch etwas ist anders:
Neben mir waren zwei Menschen, die bei mir waren.
Sie saßen nicht nur neben mir, sondern fragten mich, was ich brauche.
“Lieber Stille oder doch eine Umarmung?"
Auch das kannte ich nicht.
Sie schauten nicht nur zu,
sondern gaben mir den Raum,
den ich benötigte.
“Weißt du, Vivien?”
“Hmm?”
“Das ist die erste Umarmung in meinem Leben, die ich wirklich schön fand.”
Ich musste schmunzeln.
Nicht, weil ich die Wörter, die gesagt wurden, lächerlich fand, sondern weil es mir genauso ging.
“..Vielleicht liegt es daran, dass du es genauso wenig magst wie ich, Vivi.”
Jetzt mussten wir beide lachen.
Dass es Menschen gibt, bei denen ich Nähe zulassen kann, ohne Schmerzen dabei zu spüren, war neu für mich.
Und es wurde zu einem noch größeren Geschenk für mich, als die Nüchternheit selbst.