DEINE KÄLTE

Ich werde nicht mitgenommen.


Nicht mit einkaufen.

Nicht mit zum Weihnachtsmarkt.

Nicht mit in eure Gespräche.


Ich warte auf dich.


Hier.

In.

Diesem.

Sessel.


Ich bin eingekuschelt,

habe Kissen und Decken um mich

und eine Katze zum streicheln,

doch wärmer wird mir

immer noch nicht.


Das Haus ist eiskalt.

Es hat deine Energie.

Ich weiß genau, was mir blüht, wenn du zurückkommst.


Mein Handy blickt auf.

Auf, in der vollkommenen Dunkelheit.


Eine Nachricht

von dir.


“Bin einkaufen. Willst du ein Eis?”

Will ich.. ein Eis?

Ernsthaft?

Ein Eis?


Nein. Nicht wirklich.


Ich weiß, dass diese Möglichkeit nicht zur Debatte steht.

Trotzdem habe ich sie abgeschickt.

Die Nachricht..


“Nein. Ich will bleiben dürfen.”


Und sofort fängt mein Kopf an,

mit mir zu sprechen.


“Du warst zu hart.

Zu hart.

Zu hart.

Viel zu hart.

So wirst du niemals bleiben dürfen.”


Doch du hast sie schon gelesen,

weswegen ich nur noch ein

“aber trotzdem danke !!!”


hinterherschieben kann.


War das jetzt besser?

Haben wir noch die Kurve bekommen?



Mein Kopf hört nicht auf zu reden.

Er redet immer weiter.

Dabei will ich ihm,

in Wahrheit,

gar nicht zuhören.


Ich hoffe, du bist mir nicht böse.

Ich hoffe, ich darf trotzdem bleiben.

Hier bei dir.


Denn ich freue mich auf dich.

Freue mich, wenn du die Türe

wieder reinkommen wirst.


Doch ich warte

und warte

und warte.


Und bin eingeschlafen.


Als ich wieder aufwache,

schaue ich gespannt

auf mein Handy.


“Keine neuen Nachrichten.”


Mein Körper ist erschöpft.

Auch er spricht seit Tagen schon mit mir,

doch auch ihm

wollte ich nie

zuhören.


Keine neuen Nachrichten.

Ernsthaft?


In diesem Moment

kommst du lachend

die Türe rein.


Hinter dir

finstere Dunkelheit.


Ich drehe mich um und kann noch mit ansehen,

wie sich dein Gesichtsausdruck verändert,

sobald du mich ansiehst.


Was nur wenige Sekunden gedauert hat,

fühlt sich an wie Stunden.


Es ist wirklich Realität.

Es ist wirklich wahr.

Es ist wirklich..

mein Leben.


Und obwohl ich mir insgeheim wünschte,

du hättest mir trotzdem ein Eis mitgebracht,

bin ich froh,

dass du es nicht getan hast.


Denn dein Blick,

den du mir gerade zugeworfen hast,

der war eiskalt genug,

um sich bereits

in meinem gesamten Körper

auszubreiten.


Dafür braucht es tatsächlich

gar kein Eis.

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FALSCHER HALT

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