ALLE ZWEI WOCHEN
Zwei Wochen vergangen,
also muss ich wieder ran.
Mein Geldbeutel weiß, was auf ihn zukommt.
Auch mein Inneres und mein Äußeres
wissen genau,
was geschehen wird:
Ich besuche einen Drogerieladen.
Ich kaufe mir neue Haarfarbe und gehe anschließend meinem Ritual nach.
Ich überlege mir schon beim kauf der Haarfarbe, wer ich sein will.
Es ist niemals nur eine Haarfarbe,
sondern eher das Wissen darüber,
dass ich werden kann,
wer ich will.
Ich kann mir die Haarfarbe nachkaufen von jemanden,
den ich kenne.
Ich kann mir die Haare so schneiden und legen,
wie von jemanden,
den ich bewundere.
Ich kann.
Ich darf.
Wer sollte mich daran hindern?
Ich weiß,
auch jetzt
könnte ich
es wieder
tun.
Ich dürfte.
Wer sollte mich denn daran hindern?
Aber ich will nicht.
Zumindest nicht jetzt.
Zumindest nicht heute.
Denn zum ersten Mal in meinem Leben lasse ich meine Haare die Kontrolle übernehmen.
Und nun ist über ein halbes Jahr vergangen, ich lasse meinen Haaransatz herauswachsen und trage auch manchmal meine Naturwellen.
Und das Leben geht einfach weiter.
Seitdem ich 14 bin, färbe ich nun meine Haare - ab diesem Zeitpunkt habe ich angefangen, gegen mich selbst zu spielen.
Ich war blond.
Ich war rosa.
Ich war schwarz.
Ich war braun.
Ich war wieder blond.
Ich war grau.
Ich war wieder schwarz.
Ich war rot.
..Ich war alles, aber zur gleichen Zeit auch nichts.