ROLLENSPIEL

Die Rolle kommt und auch sie nehme ich an.

Wie immer.


Wer soll ich heute sein?

Die Angepasste?

Die Brave?

Die Unauffällige?

Die, die nur spricht, wenn man sie dazu auffordert?


Ich kann sie alle haben.

Jede.

Einzelne.

Rolle.


Wie in einem Spiel.

Einem Rollenspiel.


In mir macht sich ein Gefühl breit, dass sowohl Traurigkeit, als auch Erleichterung beinhaltet.

Ich bin manchmal die, die ihre Sicht immer wieder erklären muss und am Ende des Gespräches merkt:


M I R.

W I R D.

N I C H T.

Z U G E H Ö R T.


Ich mache alles mit, was von mir gewollt wird.

Immer.


Manchmal darf ich auch die sein, die wartet.

Endlos.

Auf Antworten.

Auf Liebe.

Auf Zuwendung.

Darauf, gewählt zu werden.

Und darauf, sie selbst sein zu dürfen.


“Sie ist halt so.”


Ein einziger Satz, der so viel Macht hat.

Über mich.

Über das, was ich sage und das, was ich tue.


So was?

Wie bin ich denn?

..Ich weiß es nämlich selbst nicht.


So überdreht?

So schüchtern?

Einsam?

Laut?

Zerrüttet?


Was genau meinst du, wenn du so etwas über mich sagst?


Gelegentlich taste ich mich rein in das Kleid der Frau, die souverän antworten kann.

Ich schlüpfe rein in ein Leben  ohne Schweißausbrüche und ohne Herzrasen.


Diese vorgegebene Version - mit schultern oben,

Körper aufrecht und einem, fast schon aufgesetzten Grinsen in meinem Gesicht hat jeder lieber.


J E D E R.

N U R.

N I C H T.

I C H.


Weil ich auch SIE nicht bin.

Nicht immer.

Nicht mit Herz.


Denn es ist ein Schauspiel.

Ich spiele Rollen.

Es ist ein Rollenspiel.


Ich wirke selbstbewusst, obwohl ich innerlich zerbreche.


I N.

G A N Z.

V I E L E.

E I N Z E L S T Ü C K E.

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