DER TEST, DER KEINER WAR

“Alkohol?”

Sie fragt es und mein Herz fängt direkt an wie wild zu schlagen.

Ich antworte nicht.

Noch nicht.

Also fragt sie weiter:

“Hast du.. Also hast du.. Nochmal gebechert?”

Ein Hauch von Ironie fließt mit.

Sie macht dabei eine Handbewegung, die mich unter anderen Umständen, sogar zum Lachen bringen könnte.

Aber ich schaue sie nur an.

Nicht einmal ein verlegenes lächeln schafft es aus mir heraus.

Die Frage trifft mich.

Tief.

Sie fühlt sich an wie ein Test.

Als wäre ich und mein Leben weniger Wert,  wenn ich anders antworten müsste.


Ich habe Angst.

Angst zu antworten.

Angst vor ihr.

Und Angst davor, dass der Tag kommen wird, an dem ich diese Frage mit “ja” beantworten werden muss.

Ich schüttele anfangs nur den Kopf.

“Nein?”

Sie lächelt leicht.

“Nein. Nein. Also.. Ich glaube, ich könnte mir das auch niemals verzeihen.”

Diese Worte schaffen es schneller aus mir raus, als ich darüber nachdenken konnte.

Aber sie sind das ehrlichste, was ich mir seit langem selbst eingestanden habe.

Und auch die Frau, die mir gegenübersitzt spürt die Wucht und die Stärke der Wörter, die gerade über meine Lippen kamen.

Ich glaube, so im Nachhinein, dass sie in Wahrheit wusste, dass ich nicht getrunken habe.

Ich glaube, sie wusste auch, dass es mir manchmal noch schwer fällt, nüchtern zu bleiben,

es zu können, manchmal.

Ich glaube, sie wollte, dass ich selbst merke und spüre, wie viel Macht ich, unbewusst, weitergebe.

An andere.

Denn sie bleibt einfach neben mir und es ist für eine Sekunde lang einfach still zwischen uns.

Sie sitzt da.

Ruhig.

Und sie schaut mich genauso eindringlich an, wie der Alkohol früher.

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ABHÄNGIGKEIT

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DAS ERSTE GLAS